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Holla! Na, das war die Fortsetzung einer Geschichte, die sich "Der Mann mit dem Gedächtnis" nannte. Es ging um einen Mann, der immer am Bahnhof saß, jeden Zug auswendig kannte, aber nie mit einem fuhr... das war meine Fortsetzung. (Zu meiner Verteidigung, ich war zwischen 12 und 13, ok? ^^)

Fortsetzung - Der Mann mit dem Gedächtnis

Doch wie sollte er die Menschen verstehen können? Für ihn war ihr Handeln, ihr Tun immer gleich und ohne Sinn. Er saß nur noch auf seiner Bank und verwahrloste immer mehr. Er gab auch das Flüstern auf, er sprach kaum noch. Ich kam immer wieder zu ihm, er antwortete mir nicht immer. Einmal war er ganz besonders traurig. Er fragte verzweifelt warum er in einen Zug steigen sollte, warum die Menschen das täten. „Vielleicht weil sie erwartet werden. Vielleicht wartet jemand auf sie", meinte ich und seufzte traurig, wie konnte ich ihm das nur erklären. Aber er schien keine Erklärung für dieses monotone Einsteigen und wieder ankommen zu erwarten. „Aber wer wartet auf mich...?" flüsterte er. Die Frage verklang im Wind, die Frage war wohl an ihn selbst gerichtet, aber ich antwortete ihm trotzdem: „Vielleicht die Welt". Ich weiß heute selber nicht mehr, warum ich das sagte, es war nur ein Gedanke, zufällig laut gesprochen. Wir saßen da, die Zeit verstrich. Keiner wollte sprechen und doch, ab und zu kam ein Satz, eine Frage. „Die Welt?", fragte er. „Die Welt kann noch warten. Warten in dem Zwang ihrer selbst. Die Zeit verstreicht, sie besteht nur aus Narben an mir. Wozu gibt es die Ewigkeit? Um mir noch mehr Schmerz zuzufügen? Diese Wunden, sie werden nicht heilen, denn sie entstehen auf den alten Narben. Nein, nein, die Welt kann noch warten, ungestört in ihrem Wahn...", wisperte er. Nie zuvor habe ich so traurige Worte vernommen. Er sah so kalt aus, so emotionslos. Ich wollte weinen, mit ihm weinen, Gefühle aus ihm locken. Doch er blieb ein Eisberg. Ihm wäre so schlecht wenn er spräche, Wörter die keiner mehr verstände. Ob ich das verstände. Ich wusste es nicht. Da begann er zu weinen. „Nichtmals du verstehst mich. Weißt du, ich will versuchen es dir klar zumachen;

Die Welt, für mich ist sie ein weißer Raum, dieses Weiß aus den Krankenhäusern.". „Ein Weißer Raum", wiederholte er. „Und meine Gedanken bleiben unerkannt. Vergänglichkeit rinnt durch unsere Hände und außer Vergessen ist nichts, was bleibt." Seine Worte glitten durch die Luft. Es wurde kalt. Dunkel war es auch, da setzte Regen ein. In jeder guten Geschichte würde es regnen, wenn es traurig wäre lachte er mit Tränen in den Augen. Er würde hier warten, er wäre vergessen worden. „Leute kommen, gehen, verlassen mich wieder. Das wirst du auch tun. Bald schon, dann wirst du mich nicht mehr ertragen können. Aber die Zeit und die Trauer und das Vergessen, die bleiben bei mir", murmelte er. Es wurde still. Einträchtig saßen wir auf der Bank. Es war spät. Manchmal kamen noch Menschen vorbei, sie schauten uns geringschätzig an. Manche kannte ich, ich wusste es schon, am nächsten Tag würden sie alle über mich reden. Nur weil ich bei ihm saß. Mich packte die Wut. Den nächsten fuhr ich wütend an, warum er uns so dumm anschauen würde. Doch mein Banknachbar hielt mich zurück. Es würde ja doch nichts nützen. Er seufzte, wischte sich über die Augen. Dann sprach er sehr leise zu mir: „Ach, das Leben ist ein Meer, das versiegt und ich ertrinke in ihm.". Er erhob sich schweigend, blicke über seine Schulter, nickte und stieg in den gerade eingefahrenen Zug. Ich war so überrascht, das ich vergaß mitzukommen. Ich spürte, dass ich ihn nie wieder sehen würde. Ich blieb sitzen. Noch lange. Erst als sich der Himmel rot färbte, wusste ich, dass es Zeit zu gehen war. Es schmerzte mich, als ich den Bahnhof verließ. Als würde ich meine eigene Familie zurücklassen.

Ich behielt Recht, ich sah den Mann nie wieder. Sie fanden ihn am Morgen. Er trieb im Seerosenteich einer Parkanlage nahe Wangen. Er hatte sein einsames Ende gefunden. Wie ein einsamer Wanderer, der nach etwas suchte. Ob er das was er suchte fand? Doch er hinterließ mir eine kleine Nachricht. Ich weiß nicht wie er meine Adresse bekommen hatte, aber ich fand ein Schreiben in meinem Briefkasten. „Kein Blick zurück und alles hinter dir verstummt. Es ist besser sich nicht umzudrehen."

Aber änderte sich etwas nach seinen Fortgehen? Nein, alles ist wie vorher. Die Menschen leben weiter. Keiner vermisst ihn. Keiner? Doch, ich, aber sie zählen mich schon nicht mehr zu ihres gleichen.

Nun sitze ich auf seinem Platz, ich warte. Worauf? Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht ist es ja ganz leicht zu sehen und zu finden. Und vielleicht hat der Mann vom Bahnhof es gefunden...

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